Schieck fliegt zu WM Gold und Silber
15. September 2026
Segelkunstflug Weltmeisterschaft in Südfrankreich
Vom 2. bis zum 12. September trafen sich die weltbesten Segelkunstflieger im südfranzösischen Fayence, etwa 50 Kilometer westlich von Nizza zur Segelfkunstflug Weltmeisterschaft. Insgesamt waren in zwei Wertungsklassen 44 Piloten und Pilotinnen am Start. Wolfgang Schieck vom Segelflugzentrum Königsdorf konnte seine Platzierungen von der letzten Weltmeisterschaft nochmals steigern.
Goldmedaille in der bekannten Kür
Bei dem ersten zu fliegenden Flugprogramm, dem sogenannten Free-Known Programm, bei dem fünf festgelegte Figuren mit fünf selbst gewählten, aber gewissen Regeln der Schwierigkeit genügenden Figuren, zu einem möglichst flüssigen Programm zusammengefügt werden müssen, gelang Schieck ein nahezu perfekter Flug und er holte sich den Weltmeistertitel vor seinem Landsmann Michael Spitzer und dem bisherigen Weltmeister Maciej Pospieszynski aus Polen, was der ehemalige Lufthansa Jumbo Kapitän mit „unfassbar, nicht real“ kommentierte.
Silbermedaille in der unbekannten Kür
Bei der unbekannten Kür, bei der die möglichen zu fliegenden Figuren erst am Tag vor dem Flug vom Veranstalter bekannt gegeben werden und nicht geübt werden dürfen, erreichte nur Maciej Pospieszynski eine bessere Wertung als Schieck, der sich überglücklich die Silber Medaille sicherte. Die Kampfrichter sitzen am Boden, 500 Meter neben der sogenannten Kunstflugbox und bewerten alle Flüge, ähnlich wie beim Eiskunstlauf. Diese virtuelle Kunstflugbox erstreckt sich über 1000 mal 1000 Meter und beginnt in 200 Meter über dem Flugplatz und endet in 1200 Meter. Markierungen am Boden zeigen die seitlichen Begrenzungen, die Flughöhe liest der Pilot auf seinem Höhenmesser ab. Ob sich das Flugzeug innerhalb der Box bewegt, wird elektronisch überwacht, wer sie verlässt, bekommt Strafpunkte, genauso für die unsaubere Ausführung von Flugfiguren.
Von null auf 280 in 8 Sekunden
Auch wenn aus den Cockpits die nur 30 Kilometer entfernte Mittelmeerküste zu sehen war, hatten die Piloten diesmal keinen wirklichen Blick dafür, da sie hochkonzentriert auf ihre Kunstflugfiguren waren. Bei den verschiedensten Figuren wie Looping, Rolle, Rückenflug, Aufschwung und anderen für den Laien schwindelerregenden Kunststücken wirken auf die Piloten oft ein Vielfaches der Erdbeschleunigung, teilweise bis zum 8-fachen des Eigengewichts. Auch die Beschleunigung im Sturzflug ist extrem, so werden die Flugzeuge in wenigen Sekunden auf bis zu 280 km/h beschleunigt. Daher werden für solche Akrobatik-Manöver keine gewöhnlichen Segelflugzeuge benutzt, sondern eigens für diese Belastung konstruierte und zugelassene Fluggeräte wie Swift oder Fox.
Zwei Winkelgrade zwischen Sieg und Niederlage
Bei den folgenden unbekannten Pflichtprogrammen lief es für den Königsdorfer Kunstflugpiloten nicht ganz so gut, da ihm bei einer der jeweils neun zu zeigenden Figuren jeweils ein kleiner Fehler unterlief. Es werden schon minimale Abweichungen in der Richtung oder von der Horizontalen von den Kampfrichtern gnadenlos bestraft. Diese Programme darf keiner darf üben, sie werden am Tag vorher erst veröffentlicht und alle Teilnehmer müssen bis zu ihrem Wertungsflug am Boden bleiben. In der Gesamtwertung fiel er damit auf Rang elf zurück, was seiner Freude über die beiden bereits erflogenen Medaillen aber keinerlei Abbruch tat. „Nachdem ich auf meiner ersten WM in 2010 auf dem letzten Platz landete und mich noch sehr gut daran erinnern kann, wie ich damals zu Markus Feyerabend aufschaute, der Gold im der bekannten Kür holte, ist es irgendwie total unwirklich, das jetzt selber geschafft zu haben, oben auf dem Treppchen vor der Deutschen Fahne unsere Nationalhymne gespielt zu bekommen“, lautete das Resumee von Wolfgang Schieck.