Alleinige Lufthoheit
7. August 2026
Frei sein aus der Vogelperspektive
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Diese Zeilen aus Reinhard Meys bekanntem Lied stimmen natürlich nur bedingt. Denn in der Luftfahrt müssen sehr wohl Regeln eingehalten werden. Aber anders als auf den Straßen, wo man erst mit 15 Jahren Mofa und mit 18 Jahren alleine Auto fahren darf, kann man schon mit 14 fliegen und die Freiheit am Himmel genießen – zumindest im Segelflugzeug.
Erster Alleinflug nach 48 Starts mit Fluglehrern
Melissa Less Santolalla (22) hat erst Ende April am Segelflugplatz in Königsdorf mit ihrer Flugausbildung zur Segelflugpilotin begonnen und seither regelmäßig Starts und Landungen mit einem der vielen ehrenamtlichen Fluglehrer in den doppelsitzigen Schulungsflugzeugen gemacht. Nach nun 48 Starts sagte Fluglehrer Jan Reineke (27), dass nun ihr sogenannter Freiflug kommen werde, bei dem sie das erste Mal ganz alleine fliegen werde. „Frei“ steht hier für den Allein-Flug, wie Reineke erklärt. „Es ist wirklich fantastisch, dass wir neben unseren überaus erfolgreichen Junioren in der Bundesliga gerade auch bei den Anfängern eine so tolle Jugend haben und wir freuen uns besonders, dass gemeinsam mit Melissa noch vier weitere jungen Frauen bzw. junge Mädchen angefangen haben. Dass Melissa ihren ersten Alleinflug schon nach so kurzer Zeit geschafft hat, ist besonders toll“, freut sich auch Pressesprecher Mathias Schunk.
Delta 6121 kommt zur Landung
In der Startposition vollzog Melissa routiniert alle notwendigen Checks am startbereiten Segler, bevor es für die Startwinde hieß: „Seil anziehen!“ Während der Startleiter die Start Kommandos per Telefon an den Windenfahrer durchgab, stand Fluglehrer Reineke am Funkgerät bereit, um Melissa evtl. noch Hinweise geben zu können. Dies war aber nicht notwendig. Wie in den Starts zuvor trainiert vollführte sie einen blitzsauberen Start. In 400 Meter löste sie das Seil aus der Schleppkupplung und Melissa schwebte das erste Mal völlig allein über dem Oberland. „Ich war vor dem Start schon sehr nervös, aber beim Fliegen dann nicht mehr. Ich habe da auf die Fluglehrer vertraut die mit mir die Check Flüge gemacht haben, dass sie wissen dass ich bereit bin“, berichtete die Biologie Studentin danach. Zügig ging es aber gleich an die Vorbereitung zur Landung, Melissa steuerte die ASK 21mit dem Rufzeichen Delta 6121 Richtung Süden bis zur Beuerberger Straße und von da an weiter Richtung Fußballplatz Königsdorf, hier machte sie noch einige Kreise, bevor sie sich über Funk wieder zur Landung meldete: „Delta 6121 kommt zur Landung“.
Perfekte Landung
Nach einer perfekten Landung war die erste Anspannung erstmal abgefallen. Obwohl es am Flugplatz recht entspannt zugeht, müssen die jungen Leute auch immer wieder zupacken, denn die Segelflugzeuge müssen nach der Landung von mehreren Helfern wieder in die Start-Position geschoben werden. Segelflug ist Team-Arbeit, also wurde das 350 kg schwere Fluggerät zunächst wieder per Handkraft zurück an den Start geschoben, damit Melissa gleich ihren zweiten Alleinflug machen konnte. „Segelfliegen ist einerseits ein Einzelsport, aber andererseits auch ein toller Teamsport, denn alleine kommt niemand in die Luft“, schwärmt Melissa von ihrem neuen Hobby. „Der Traum vom Fliegen war irgendwie schon immer da und steckt wohl familiär auch im Blut, denn alle Verwandten meines Vater in Peru fliegen dort auch“, ergänzt Melissa. Insgesamt drei Alleinflüge hat Melissa am Samstag gemacht. Die Ruhe in der Luft begeistert sie am Segelfliegen besonders. Auf ihre Ziele im Segelflug angesprochen meinte sie: “ich möchte mal mit dem Segelflugzeug Kunstflug machen“ und erzählt weiter, dass neben einem Flug ins Karwendel mit einem ihrer Fluglehrer die Trudel Einweisung mit das aufregendste war, was sie bisher erleben durfte. Hierbei wird das Flugzeug absichtlich in einen Flugzeugstand gebracht, bei dem die Strömung an den Tragflächen abreißt und es sich um die eigene Achse drehend im Sturzflug befindet, um es dann kontrolliert wieder in die Normalfluglage zu bringen.
Ausbildung geht weiter
Bis es zum Kunstflug kommen kann, wird es aber noch ein wenig dauern. Mit dem Alleinflug ist die Ausbildung noch lange nicht beendet. Neben einer Menge Theorie über Meteorologie, Luftrecht, Aerodynamik und Flugzeugkunde, die Melissa im Winter nun noch lernen muss, wird sie weiter unter Aufsicht der Fluglehrer, die sie vom Boden aus beobachten, fliegen. Den Luftfahrer-Schein bekommt sie nach einer theoretischen und einer praktischen Prüfung durch das „Luftamt“ des Regierungspräsidiums. Da werden die Aspiranten von einem staatlich beauftragten Prüfer auf ihre Flugtauglichkeit getestet, erläutert Ausbildungsleiter Benjamin Bachmaier, der ebenfalls im jugendlichen Alter mit dem Segelflug begonnen hat.